Neurophysiologische Physiotherapie mit Elementen aus dem Karate
Bewegung ist eine Leistung des Nervensystems
Einen Schritt nach vorne machen.
Das Gewicht verlagern.
Das Gleichgewicht halten.
Den Rumpf stabilisieren.
Einen Arm gezielt bewegen.
Die Richtung wechseln.
Auf ein Signal reagieren.
Was selbstverständlich erscheint, ist in Wirklichkeit eine hochkomplexe Leistung unseres Nervensystems.
In der neurophysiologisch orientierten Physiotherapie geht es deshalb nicht nur darum, einzelne Muskeln zu kräftigen. Entscheidend ist auch die Frage:
Wie organisiert das Nervensystem Bewegung?
Hier können ausgewählte Elemente aus dem Karate zu interessanten therapeutischen Bewegungsaufgaben werden.
Warum Karate?
Karate verbindet viele Fähigkeiten, die auch für die Bewegungsorganisation im Alltag bedeutsam sind:
Gleichgewicht · Koordination · Gewichtsverlagerung · Rumpfstabilität · Körperwahrnehmung · Reaktionsfähigkeit · Bewegungsplanung · räumliche Orientierung · Konzentration
Dabei geht es nicht darum, Karate zu erlernen oder kämpfen zu können.
Stände, Schritte, Richtungswechsel sowie einfache Arm-, Bein- und Bewegungsfolgen werden so angepasst, dass daraus individuelle therapeutische Aufgaben entstehen.
Eine komplexe Karatetechnik kann beispielsweise auf eine einfache Gewichtsverlagerung reduziert werden. Später können ein Schritt, eine Armbewegung oder ein Richtungswechsel hinzukommen.
Aus einer Bewegung entsteht eine Aufgabe für Körper und Nervensystem.
Physiotherapie trifft Shitō-Ryū Karate
Als Physiotherapeut, Osteopath MSc, eidgenössisch diplomierter KomplementärTherapeut, Fitnesstrainer und Shitō-Ryū-Karateka (1. Kyu) verbinde ich dabei zwei Perspektiven, die mich seit vielen Jahren begleiten:
die therapeutische Analyse von Bewegung und die praktische Erfahrung komplexer Bewegungsabläufe im Karate.
Karate ersetzt dabei keine physiotherapeutische Behandlung.
Ich nutze vielmehr ausgewählte Elemente des Karate als Bewegungs- und Übungsformen innerhalb eines individuell angepassten physiotherapeutischen Trainings.
Denn manchmal besteht der nächste therapeutische Schritt nicht darin, einen Muskel noch einmal isoliert anzuspannen.
Sondern darin, dem Nervensystem eine interessante Aufgabe zu stellen:
wahrnehmen – orientieren – planen – bewegen – anpassen.